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Metropolengespräche-archiv

Beim Wachsen zusehen …

Mitschnitt vom 13.10.2020 aus dem Kronprinzenpalais in Berlin

Wie in der Siemensstadt neue Urbanität entsteht

Die Siemensstadt in Berlin-Spandau, eine Ikone der Industriearchitektur, wird zu einem zukunftsweisenden Stadtteil erweitert und umgestaltet. Der Masterplan sieht eine Mischung aus Gebäudetypen und Freiflächen für Wohnen, Bildung, Arbeiten, Handel und Forschung vor – unter Berücksichtigung und Erneuerung der bestehenden historischen Gebäude. Herzstück des 70 Hektar großen Areals bildet ein Hochhaus als vertikales Quartier und Relais weit in die Stadt hinein.

Begrüßung und Einführung:
Prof. Dr. h.c. Wolfgang Schuster

Podium:
Markus Penell, Ortner&Ortner Baukunst
Stefan Kögl, General Manager Siemensstadt 2.0
Nikolaus Bernau, Architekturkritiker, Journalist und Autor

Moderation:
Jan Lerch

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Metropolengespräche-archiv

Blick zurück nach vorn!

Mitschnitt vom 08.10.2020 aus dem Kronprinzenpalais in Berlin

Städtebauhistoriker und Zukunftsforscher über die Metropolregion Berlin- Brandenburg 2070

Gesundheit, Wohnen, Verkehr – heute im Jahr des 100jährigen „(Groß)Berlin“-Jubiläums stellen sich ähnliche Fragestellungen wie damals. Mit Blick auf die nächsten Jahrzehnte kommen dringliche neue Aufgaben hinzu: die Digitale Stadt, der Umgang mit der Natur oder der Rückbau der autogerechten Stadt. Die Experten auf dem Podium diskutieren wie diese und stellen dabei auch die städtebaulichen Leitbilder vor, die die Preisträger des Ideenwettbewerbs Berlin Brandenburg 2070 entworfen haben.

Begrüßung:
Tobias Nöfer, Vorsitzender des AIV zu Berlin-Brandenburg e.V.

Impuls:
Prof. Dr. Harald Bodenschatz, Vorstand AIV zu Berlin-Brandenburg e.V.

Mit
Dr. Silvia Malcovati, Professorin für Entwerfen und Städtebau, FH Potsdam
Dr.-Ing. Barbara Engel, Karlsruher Institut für Technologie
Bernhard Schulz, Journalist
Prof. Dr. Harald Bodenschatz, Vorstand AIV zu Berlin-Brandenburg e.V.

Moderation:
Jan Lerch

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Blick nach Europa

Bol’šaja Moskva (Groß Moskau)

Hauptstadtregion zwischen Europa und Eurasien

Moskau ist eine Stadt mit breiten Prospekten und langen Magistralen, eine Stadt, in der man nur selten eine historische Struktur ausmachen kann. Auf dem Stadtplan sieht es dagegen anders aus: Fünf Ringe sind um das Zentrum, den Kreml, angelegt und erinnern an eine horizontal zerschnittene Matrjoschka. Der innerste Ring zeichnet die Umfahrung des Kremls im Uhrzeigersinn nach: durch das Altstadtviertel Kitaj-gorod, vorbei am Stadtpark Zarjad’e und entlang der hohen Kremlmauern am Fluss. Der Boulevard-Ring ist ein nach Süden geöffneter Bogen, der von Flussufer zu Flussufer führt und in seiner Mitte von einer Allee durchzogen ist. Die offiziell als Dritter Ring bezeichnete Autobahn wurde erst in den 2000er Jahren fertiggestellt und verläuft etwa parallel zu dem 54 Kilometer langen Moskauer Zentralring, der als Kleiner Moskauer Eisenbahnring bis 1960 die Stadtgrenze definierte. Ganz außen liegt die Umlaufbahn der MKAD (­Moskovskaja kol’cevaja avtomobil’naja doroga ),ein über 100 Kilometer langer Autobahnring aus den frühen 1960er Jahren. Hier wird schon sichtbar, wie dicht Moskau bebaut ist. Den Horizont zieren Wohntürme und monumentale Plattenbauquartiere. Massiver Kern dieser überdimensionierten Matrjoschka ist der Kreml. Er offenbart Russlands Licht- und Schattenseiten: hier das historische Gemäuer, von dem aus Josef Stalin, Nikita Chruschtschow und ­Leonid Breschnew, von manchen bis heute als Helden verehrt, das sowjetische Volk sieben Jahrzehnte lang führten; dort die Heerscharen von Touristen, die mit ihren Kameras einen Hauch des prächtigen alten wie neuen Russlands einfangen möchten.

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Ausstellung Foyer

Krisenjahr 1920

Bildung von Groß-Berlin

Mitten in der heftigen Krise nach dem Ersten Weltkrieg, am Ende der Spanischen Grippe, nur einen Monat nach dem Kapp-Putsch, in einer Zeit, als Berlins, ja Deutschlands Zukunft völlig unklar war, entstand auf Beschluss der preußischen Landesversammlung zum 1. Oktober 1920 die „neue Stadtgemeinde Berlin“ (Groß-Berlin-Gesetz vom 27. April 1920). Das war eines der wichtigsten Ereignisse in der über 800-jährigen Geschichte Berlins, Ergebnis eines Jahrzehnte währenden Streits zwischen den einzelnen Kommunen des Großraums sowie zwischen Berlin und Preußen.

Als Groß-Berlin 1920 politisch geschaffen wurde, war es sozial, wirtschaftlich und baulich freilich längst vorhanden. Die seit den 1880er Jahren verstärkte Randwanderung der Industrie, des Militärs und der Wohngebiete der Wohlhabenden hatte längst die Grenzen der alten Stadt Berlin gesprengt. Siemens ließ in ­Spandau arbeiten, Borsig in Tegel, die AEG in ­Hennigsdorf und Oberschöneweide.

Und auch das Militär marschierte ins Umland, etwa nach Döberitz, ­Jüterbog, Kummersdorf und Wünsdorf. Neue herrschaftliche Wohngebiete entstanden im Westen (Westend), Norden (Frohnau), Osten (Karlshorst) und vor allem im Südwesten (vom Grunewald bis zum Wannsee). In der Innenstadt verblieb die große Schicht der ungelernten Arbeiter, besonders in Moabit, im Wedding, in Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln. Die Altstadt wandelte sich zur Stadtmitte, zur City. Zusammengehalten wurde der neue Großstadtraum durch die Schienen der Vorortbahnen, die natürlichen wie künstlichen Wasserstraßen und die großen Ausfallstraßen.

Das wichtigste Ereignis im Dasein Berlins ist die Eingemeindung des Jahres 1920.

Das neue Berlin ist aus 8 Stadtgemeinden, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken, insgesamt 94 Gemeinden, im Jahr 1920 zusammengeschlossen worden. Es ist eine Einheitsgemeinde. […] Das Stadtgebiet ist in 20 Verwaltungsbezirke eingeteilt.

Zwischen den früheren Einzelgemeinden Groß-Berlins gab es unendlich viel Reibereien […]. Die Gemeinden suchten die leistungsfähigen Steuerzahler sich gegenseitig abzujagen […]. Mit all diesen Zuständen ist durch das Gesetz vom 27. April 1920 aufgeräumt worden.

Ob die heutige Gemarkung der Stadt Berlin für die Zukunft ausreichen wird, ist fraglich.

Gustav Böß, Oberbürgermeister 1919–1929
Berlin von heute.
Stadtverwaltung und Wirtschaft.
Berlin 1929

Kurz vor Groß-Berlin:
Kapp-Putsch im März 1920

Jonas, dieses Bild mache ich
Die Geburt von Groß-Berlin war kein glänzendes Ereignis, das die Titelseiten der Zeitungen beherrschte. Weder am 27. April, als die Preußische Landesversammlung mit hauchdünner Mehrheit den Zusammenschluss befürwortete, noch am 1. Oktober, als Groß-Berlin Wirklichkeit wurde. Im Gegenteil: Die Entscheidung für Groß-Berlin war nur eine dürre Nachricht wert, die sich von Zeitung zu Zeitung kaum unterschied. Die Schlagzeilen lieferten andere Ereignisse, etwa die Folgen des Kapp-Putsches und die internationale Lage.

„Kapp-Putsch Berlin“, Gemälde von Else Hertzer. Mitte März 1920, gut einen Monat vor dem Beschluss zu Groß-Berlin, schien die junge deutsche Demokratie bereits gescheitert. Aus Döberitz marschierte die „Brigade Ehrhardt“ über die Heerstraße nach Berlin. Die Soldaten trugen ein weißes Hakenkreuz auf ihrem Helm. Die Reichsregierung konnte nach Dresden und schließlich Stuttgart flüchten. Wolfgang Kapp, ein ostpreußischer Verwaltungsbeamter, ernannte sich selbst zum neuen Reichskanzler. Der anschließende Generalstreik, der größte in der deutschen Geschichte, zwang die Putschisten zur Aufgabe. Das Gemälde zeigt eine nächtliche Straße mit Soldaten in Berlin, das aggressiv-diffuse Licht der Scheinwerfer des Fahrzeugs verbreitet Angst.

Berlinische Galerie, Nr. BG-M 1366 / 78, mit freundlicher Genehmigung der Erbengemeinschaft Else Hertzer, MünchenBerlinische Galerie, Nr. BG-M 1366 / 78

Kurz vor Groß-Berlin:
Spanische Grippe 1918 – 1920

1918 – 1920 Spanische Grippe: Diagramm der Sterblichkeit in New York, London, Paris und Berlin zwischen Juni 1918 und März 1919. Lange Zeit war sie vergessen, erst in Zeiten der Corona-Krise erinnert man sich wieder an die Spanische Grippe, die weltweit mehr Menschen tötete als der Erste Weltkrieg. Bei drei Wellen dieser Krankheit in der Zeit vom Frühjahr 1918 bis 1920 verloren zwischen 27 und 50 Millionen Menschen ihr Leben, im Groß-Berliner Raum mehr als 40.000 Personen. Die Kommunen wie der preußische Staat erwiesen sich damals als unfähig, Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu treffen. Die Grafik zeigt den Höhepunkt der Pandemie im Herbst 1918. Allerdings fehlen kontinuierliche Angaben aus Berlin.


National Museum of Health and Medicine (Silver Spring, USA), Nr. Reeve 3143

Vorkämpfer für Groß-Berlin

Groß-Berlin fiel nicht vom Himmel. Um zähe Widerstände zu überwinden, bedurfte es großer Anstrengungen – und großer Persönlichkeiten. Erstaunlich ist, dass entscheidende Protagonisten in Vergessenheit gerieten: Oberbürgermeister Martin Kirschner als großer Förderer von Groß-Berlin und Vorsitzender des Preisgerichts zum städtebaulichen Wettbewerb Groß-Berlin von 1910, Oberbürgermeister Adolf Wermuth, ohne dessen strategisches Geschick Groß-Berlin nicht entstanden wäre, und Oberbürgermeister Gustav Böß, der in den schwierigen 1920er Jahren die Geschicke der Riesenstadt lenkte.

Weithin vergessen:
Oberbürgermeister
Martin Kirschner

Fahrt in der Kutsche zum Buckingham Palast, wo sie vom König empfangen werden, Aufnahmedatum: um 1910, Aufnahmeort: London, Systematik: Geschichte / Deutschland / 19./20. Jh. / Wilhelm II. / Besuche im Ausland / Großbritannien ©: bpk


Als Oberbürgermeister (1899 – 1912) während der stürmischen Wachstumsperiode Berlins setzte sich Martin Kirschner für die Schaffung von Groß-Berlin ein. Auf den Wettbewerb Groß-Berlin 1908 – 1910 nahm er als Vorsitzender des Preisgerichts Einfluss. Doch damals scheiterte Groß-Berlin als Einheitsgemeinde, 1912 konnte nur ein Zweckverband eingerichtet werden.

Weithin vergessen:
Oberbürgermeister
Adolf Wermuth

Adolf Wermuth im Brunnenhof der Staatsbibliothek Unter den Linden anlässlich der Einweihung der Bibliothek, 1914. Foto: Willi Römer, bpk, Nr. 700141738


Als Oberbürgermeister Berlins (1912 – 1920) kämpfte Adolf Wermuth vehement für die Gründung Groß-Berlins als Einheitsgemeinde. Wermuths strategischem Geschick ist es zu verdanken, dass Berlin den Umfang und die zweistufige Verwaltungsorganisation hat, die wir auch heute noch kennen.

Weithin vergessen:
Oberbürgermeister
Gustav Böß

Gustav Böß (rechts) und der Erste Wiener Bürgermeister, Karl Seitz, auf dem Balkon des Roten Rathauses, Juni 1929.
Foto Georg Pahl, Bundesarchiv, Bild 102-07938


Nach der Gründung von Groß-Berlin wurde Gustav Böß, Kommunalpolitiker der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und Kämmerer der Stadt Berlin, 1921 zum Oberbürgermeister gewählt. Er war der entscheidende Steuermann eines kommunalwirtschaftlichen Städtebaus für die Einheitsgemeinde während der Weimarer Republik bis 1929.

Renée Sintenis:
Ein kleines Bärchen für Groß-Berlin

Das neue, große Berlin benötigte auch ein neues Wappentier, das sich vom Bären des alten Berlin unterscheiden sollte. Ein Tier der Weimarer Republik, das auf Distanz zum Kaiserreich ging. Das berühmteste Berliner Bärchen schuf Renée Sintenis 1932: einen kleinen, tolpatschigen Zauselbär, alles andere als Ehrfurcht heischend, aber liebenswert. In einer leicht veränderten Version mit zwei erhobenen Tatzen aus dem Jahr 1956 dient er seit 1960 als Berlinale-Bär.

So viele Rathäuser überall

Noch heute künden zahllose mehr oder weniger prächtige Rathäuser im gesamten Stadtgebiet davon, dass Groß-Berlin aus dem Zusammenschluss vieler Städte und Gemeinden entstanden ist. Sie waren 1920 meist noch relativ jung, Kinder der Kaiserzeit. So viele Rathäuser finden sich in keiner anderen europäischen Großstadt. Sie zeugen von der überwundenen kommunalen Zersplitterung, aber auch vom Verlust kommunaler Selbstständigkeit.

Foto: Bernd Sinterhauf, Sammlung K. Knauf
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Phase 1 Wettbewerb

NR. 1001

Motto „Berlin-Brandenburg 2070: Prinzipien und Konzepte für die Regionalplanung und für den Städtebau“
Architektur Hoidn Wang Partner (Berlin)
Fachplanung Paul Rogers, Abdelrahman Helal, Aron Bohmann, BuroHappold, Berlin; John Peponis, Georgia Institute of Technology; Chen Feng, The University of Texas at Austin; Meta Berghauser-Pont, Jan Sahlberg, Chalmers University Gothenborg; Richard Burdett, London School of Economics
Landschaftsplanung Tilman Latz, Latz + Partner
Ausgewählt für die 2. Phase

Gesamtplan

Städtebauliche Darstellung

Erläuterungen der Verfasser

Berlin-­Brandenburg 2070: Prinzipien und Konzepte für die Regionalplanung und für den Städtebau

Berlin und Brandenburg sollen komplementär zum Klimawandel entwickelt werden.

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nicht prämiert Phase 2 Wettbewerb

Die Welteninsel Berlin Brandenburg 2070 – Vom Stern zur Galaxie

Engere Wahl und nicht prämierte Beiträge

Verfasser

MLA+ Berlin (Müller Michael Architekten PartGmbB) / MLA+ Rotterdam (MLA+ B. V.) /
manufacturing cities Hamburg / HOSPER landschapsarchitectuur en stedenbouw
Standort: Berlin / Hamburg / Rotterdam
www.mlaplus.com
www.manufacturingcities.com
www.morelandscape.nl
Team: Markus Appenzeller, Martin Probst, Christoph Michael, Maximilian Müller, Robert Younger, Ildar Biganyakov, Kai Michael Dietrich
Fachplanung weiterer Disziplinen: MORE Landscape (Hanneke Kijne, ehem. Hosper landschapsarchitectuur en stedenbouw),
Martin Aarts, Uli Hellweg, Studio Amore (Burke Harmel Jank GbR), Sven Kröger

DENKMODELL 1

DENKMODELL 2

DENKMODELL 3

DENKMODELL 4

DENKMODELL 5

DENKMODELL 6

Erläuterungen der Verfasser

Die Welteninsel Berlin Brandenburg 2070 – Vom Stern zur Galaxie: Vieles ist heute unsicher. Wie werden wir in 50 Jahren leben? Wie wird der Klimawan-del unsere Städte verändern? Wie werden Städte geführt? Diese Fragen las-sen sich nur schwer für lange Zeiträume zuverlässig definieren. Technologie, Urbanisierung und sozio-ökonomische Entwicklungen verändern Agglomera-tionen immer schneller, und eine Veränderung dieser Dynamik scheint un-wahrscheinlich. Berlin und sein Umland sind beides: gebaute – oder eben nicht gebaute – Realität, aber auch Lebensgefühl und Denkweise. Gerade die letzten 100 Jahre und gerade Berlin zeigen, dass sich das Gebaute und das Geplante radikal, geradezu revolutionär verändern können. Berlin und Brandenburg als Denkbilder – als State of Mind – entwickeln sich evolutionär. Sie verbinden mühelos Fontane und Berghain, Humboldt und Scharoun oder Schinkel und Eberswalde. Was muss eine Zukunftserzählung 2070 für Berlin und das Brandenburger Umland darum leisten? Wir meinen: Sicher etwas an-deres als die Leitbilder des Wettbewerbs von 1910. Sie muss nicht präzise räumliche Vorgaben machen, sondern vor allem Denkbilder erzeugen. Diese Bilder nehmen das spezielle Berlin-Brandenburger Lebensgefühl auf, stärken es und erweitern es wo notwendig. Sie laden das, was diese Region ausmacht, positiv auf. Deshalb verzichtet unser Vorschlag auf detaillierte Pläne und er-setzt sie durch sechs strategische Narrative, die zu einem großen Gesamtbild zusammengeführt werden.

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